MIDI richtig verkabeln – Alles was Du wissen musst!

MIDI richtig verkabeln – Alles was Du wissen musst!

 

Ein sinnvolles Einbinden der Hardware-Instrumente über MIDI ist neben der richtigen Audio-Verkabelung das Wichtigste beim Eingliedern von Hardware-Instrumenten in ein Analog-Digitales Studio.
Doch gerade MIDI kann für viel Verwirrung sorgen – denn wenn zum Beispiel zwei Drum-Maschinen ständig aus dem Takt laufen liegen die Nerven irgendwann blank (zumindest bei mir).
Um dir zu zeigen, wie du solche Momente umgehen kannst, zeige ich Dir in diesem Blog-Post wie du alles richtig verkabelst.

Was ist MIDI?

 

MIDI steht für „Musical Instrument Digital Interface“ und sorgt für die Kommunikation unter elektronischen Musikinstrumenten. Dabei kann es sich zum Beispiel um Klangerzeuger wie Drum-Machines und Synthesizer oder um Geräte wie Sequencer, Keyboards und Effekte handeln.

Über das MIDI-Protokoll werden keine Audio-Signale, sondern Steuerinformationen übertragen: Auf der einen Seite „Ton-Bezogene“ Informationen – Tonhöhe, Tondauer,Anschlagstärke (Velocity)- und auf der anderen Seite die MIDI-Clock. Sie ist der Taktgeber, bestimmt also über BPM und Taktart.

Der Vorteil liegt damit auf der Hand: Du kannst die Noten an jeden beliebigen Klangerzeuger senden und fortlaufend editieren. Falls du zum Beispiel beim Arrangieren eines Tracks bemerkst, dass die Bassline nicht wirklich passt, kannst du sie schnell nachbearbeiten oder einen ganz andere Klang wählen. Daher ist es übrigens prinzipiell eine gute Idee die MIDI-Informationen am Schluss in dein Projekt einzeln abzulegen. Manchmal kann es für den Workflow aber von Vorteil sein, wenn man nicht mehr endlos an einem Sound schrauben kann. Die richtige Balance muss jeder für sich selbst finden.

Wie sieht ein MIDI-Setup genau aus?

 

Bei einem MIDI-Setup gibt es immer einen MIDI-Master und einen oder mehrere MIDI-Slaves. Die Slaves empfangen die Noten-Information und/oder die Clock des Masters.

Das MIDI-Signal wird über MIDI-Kabel und die MIDI IN-/OUT-/TRUH-Buchsen der Geräte verteilt. Über die OUT-Buche wird das Signal von einem Instrument geschickt, über IN empfangen und über TRUH unbearbeitet weitergeleitet. Inzwischen kann MIDI oft auch zusätzlich über USB transportiert werden.

Dabei stehen 16 „MIDI-Channels“ zur Verfügung, auf denen zeitgleich jeweils unterschiedliche MIDI-Noten-Signale übertragen werden können. Kanal 1 kann so zum Beispiel Synthesizer X ansprechen und Kanal 2 Synthesizer Y. Dazu müssen an den Synths die richtigen Kanäle ausgewählt sein. Die Clock wird dabei Global und Channel-unabhängig mitgeschickt.

Für mich haben sich die hochwertigen Kabel von Cordial mehr als bewährt.

MIDI Kabel

MIDI Kabel,MIDI richtig verkabeln

Wie baue ich mein Setup am besten auf?

 

Um herauszufinden, welches Gerät in deinem Setup welche Funktion übernehmen soll, ist es hilfreich dir folgenden Fragen zu stellen:

1. Welches Gerät soll die Clock senden?

Diese Kiste wird wie oben erwähnt bestimmen, mit welcher BPM und in welcher Taktart dein Projekt abgespielt wird. Das sollte am besten das Gerät mit dem stabilsten Clock-Generator übernehmen. Also entweder ein Sequencer, eine Drum-Machine oder ein extra Clock-Generator. Wieso die Clock einer DAW das meistens nicht kann, erfährst du in meinem nächsten Blog-Post.

2. Welches Gerät soll die MIDI-Noten senden?

Von hier aus werden die MIDI-Noten an deine Synthesizer geschickt. Also wird es ein Gerät mit MIDI-Sequencer sein. Dieses kann entweder gleichzeitig der Clock-Master sein, oder die Clock von einem anderen Gerät empfangen und weiterreichen.
Verständnishalber hier eine kurze Definition eines Sequencers: Er speichert Notenbefehle ab und kann Sie später an andere Geräte schicken. Im Gegensatz zu Drum-Machines haben die meisten Synthesizer keinen eingebauten Sequencer und müssen deswegen mit einem verbunden werden.
Natürlich gibt es auch Ausnahmen, wie zum Beispiel den Sequential Prophet 6.

3. Wie sollen die MIDI-Noten in den Sequencer eingespielt werden?

Bevor der Sequencer Noten-Informationen weitersenden kann, muss er diese ja erst eimal erhalten. Dazu kannst du diese in den meisten Fällen direkt am Sequencer eingeben oder über ein MIDI-Keyboard einspielen. Als Keyboard kannst du dann entweder ein externes MIDI-Keyboard oder die Tastatur einer deiner Synths verwenden.
In diesem Falle würdest du die MIDI-Informationen über den MIDI-Out des Synths an den MIDI-IN des Sequencers schicken und dann wieder über die MIDI-OUT des Sequencers an den MIDI-IN des Synths. Damit das Keyboard des Synths die Sound-Engine des Synths nicht mehr direkt steuert (weil dies ja jetzt über den Sequencer läuft), gibt es an Synthesizern den Befehl „Local Off“. Dabei sollte nur die Tastatur abgetrennt werden – die Regler für die Sound-Engine sollten weiterhin funktionieren. Hier liegt die Betonung auf „sollte“, denn einige Hersteller halten sich daran leider nicht. Am besten fragst du direkt beim Support nach.

Hilfen beim MIDI richtig Verkabeln

MIDI Merger & Trough Boxen

 

Wenn viele Geräte miteinander über MIDI kommunizieren sollen, wirst du schnell ein MIDI-Interface und/oder MIDI-Merger bzw. MIDI-Truhboxen benötigen. Das hängt immer auch von der Anzahl der MIDI-Buchsen an deinen Instrumenten ab. MIDI-Merger bündeln mehrere OUT-Signale zu einem IN-Signal. MIDI-Truhboxen teilen ein OUT-Signal in mehrere OUT-Signale auf.
Wichtig zu Wissen: Es gibt Merger- und Truh-Boxen mit und ohne eigenes Netzteil. Diejenigen ohne Netzteil beziehen die benötigte Spannung direkt über die MIDI-Leitung. Allerdings halten sich nicht alle Hersteller an die dafür benötigte Spannung. Zum Beispiel die Instrumente von Dave Smith Instruments. Und dass, obwohl er MIDI entwickelt hat – naja…

Mir persönlich gefallen die  MIDI Boxen von MIDI Solutions sehr gut.

 

MIDI Thru Box

MIDI Thru Box

Reihen- vs. Stern-Verkabelung

 

Theoretisch gesehen kannst du das MIDI-Signal über die Truh-Buchsen an den Geräten endlos weitergeben. Dies nennt sich Reihenverkabelung. Allerdings kommt es dabei zu hör- und spürbaren Verzögerungen (Latenzen). Als Faustregel gillt: Nicht mehr als drei Geräte in Reihe schalten. Wegen den Verzögerungen wird MIDI am besten Sternförmig verkabelt. Also von einem OUT direkt in einen IN.

 

Midi Reihen Verkabelung, MIDI richtig verkabeln

 

MIDI Stern Verkabelung, MIDI richtig verkabeln

 

Beim Anschliessen musst du darauf achten, dass keine MIDI-Feedback-Schleife entstehen kann. Dies passiert wenn ein Gerät dasselbe Signal empfängt, dass es ausgegeben hat. Falls bei dir trotzdem mal eine Feedback-Schleife auftritt, ist es auf jeden Fall sinnvoll alle Geräte kurz auszuschalten und „neu zu starten“ , da sie durch das Feedback ziemlich verwirrt werden. Bei mir hatte ein Synthesizer nach einer Feedback-Schleife Schwierigkeiten die Sounds richtig abzuspeichern und erst nach einem „Neu-Start“ war er wieder richtig einsatz-fähig.
Zwei weitere Begriffe die oft bei diesem Thema Fallen sind:

 

MIDI CC: Darüber können bestimmte Parameter der Geräten ferngesteuert werden. Zum Beispiel könnte der Filter-Cutoff von einem Synth vom Sequencer gesteuert werden. Die Belegung der einzelnen CCs findest du im Manual der jeweiligen Synthesizer

General MIDI: Diese Norm gibt unter anderem vor, auf welchem Programmplatz bestimmte Sounds abgespeichert sein müssen.

Fazit

Obwohl das Thema am Anfang etwas verwirren kann (hier schliesse ich einfach mal von mir auf dich), ist es doch relativ logisch und mit der Zeit hatte ich alle Probleme mal erlebt und kann sie nun umgehen.  Am weitesten hat mich auf jeden Fall das Anschaffen einer stabilen Clock gebracht. Seitdem läuft alles so, wie es soll. Woher diese stabile Clock kommt, zeige ich dir in diesem Blogpost =)

Welche Erfahrungen hast du mit dem Verkabeln von MIDI gemacht? Hast du dein Studio vielleicht ganz anders als Ich verkabelt und bist trotzdem glücklich damit? Teile es mit uns in den Kommentaren!

 

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Comments

  1. Hallo Georg, erst mal einen herzlichen Gruß aus Lampertheimm ich hoffe es geht Dir gut.

    Leider bin ich am verzweifeln, und hoffe Du kannst mir Midi-technisch helfen.

    Ich arbeite mit Softwaresynthesizern über Cubase und benutze einen Yamaha SY77 als Masterkeyboard. Vor kurzem habe ich einen alten Roland D20 gekauft und habe noch einen SY85. Desweiteren habe ich zwei Midi Merge Boxen (1×out-2×in) von Solution. Wie kann ich die Instrumente am Besten midifizieren?

    Ich wäre Dir sehr dankbar wenn Du mir helfen könntest.

    Schon mal vielen Dank vorab und nochmal herzliche Grüsse aus Lampertheim.

    Sascha Heinicke

    1. Author

      Hey Sascha,

      wenn ich es richtig verstehe möchtest du Cubase als Sequencer benutzen (Also MIDI Noten an die Synths schicken). Dazu musst du die MIDI Informationen aus den MIDI-Outs deiner Sound-Interfaces an die MIDI-Ins der Synthesizer schicken. Dazu kannst du es wie folgt verkabeln: Sound Interface MIDI Out => SY85 Midi In , SY85 MIDI Trough => Roland D20.

      Falls du das SY77 als Masterkeyboard und als Klangerzeuger benutzen möchtest, Musst du beim SY77 die Einstellung „Local Off“ auswählen und dann noch ein Midi Kabel verlegen: Roland MIDI Trough => SY77 MIDI Out.

      Ich hoffe das hilft dir weiter 🙂 grüsse aus Zürich , Georg

  2. Hallo Georg,

    vielen Dank für Deine schnelle Antwort, aber leider habe ich mich nicht genau ausgedrückt.

    Ich möchte den SY77 als Masterkeyboard nutzen, den SY85 und den D20 aber auch via Sysex/ Midifile/ Editor ansprechen können um Soundbänke vom PC laden und speichern zu können. Da der SY85 über einen Samplespeicher verfügt, möchte ich auch WAV’s in ihn via Sample Bulk Dump „pumpen“ können. Alle Synthesizer/ Tastaturen möchte ich zum Einspielen nutzen können. Helfen mir da die Solution Merger mit 1x out und 2x in? Wenn nicht, was benötige ich dann für meinen Midiwunsch?

    Nochmal ganz herzlichen Dank für Deine Hilfe und viele Grüße nach Zürich.

    Sascha

  3. Hallo Georg!
    Als Midi-Anfänger habe ich eine Frage: Habe 2 Yamaha-Keyboards. Das eine möchte ich als Masterkeyboard nutzen (Pianosound). Vom 2. Keyboard möchte ich String-Sounds ergänzend an das Masterkeyboard senden.
    Kannst du mir sagen, wie ich da am besten vorgehe (Verkabelung, Einstellungen der Keyboards)?
    Vielen Dank im voraus!
    Werner

    1. Author

      Hallo Werner, Wie meinst du das : Vom 2. Keyboard möchte ich String-Sounds ergänzend an das Masterkeyboard senden“ ?

  4. Hallo Georg!

    Ich möchte meinen Harddiscrecorder ( Roland VS-1680 ) als Master, der die Midiclockdaten sendet, betreiben um den Sound eines Roland System 8 aufzunehmen. Nun möchte ich aber, dass die Noten von meiner Roland XP-50 Workstation an den System 8 geschickt werden. Geht das? Hintergrund ist, dass ich viele Songs per Step-Noteneingabe in der XP-50 Workstation programmiert habe und ich diese Songs nun Spur für Spur mit den Klängen des System 8 auf dem VS-1680 aufnehmen möchte.

    Viele Grüße, Marcus

    1. Author

      Hey Marcus, ja das geht. Der System 8 hat ja nur einen Midi-In. Er bräuchte aber theoretisch 2 , einen für die Clock und einen für die Midi-Noten. Das kannst du mit einem Midi-Merger lösen. Am Roland XP-50 musst du eventuell das senden der Midi-Clock austellen. Viel Spaß 🙂

  5. Hallo Georg!

    Vielleicht kannst Du mir helfen, ich habe einiges versucht, verzweifle noch! Also, bei mir sollte die Akai MPC Live der Master, eine Yamaha RM1X als Slave laufen!
    Ich möchte einen Pattern von der RM1X, alle 16 Spuren in der MPC Live einzeln Sampeln und dann dort weiter arrangieren!
    Zwar funktionierte es die Akai im Slave laufen zu lassen ( Start und Stop ), brauche es aber anders herum!
    Was sind MPC ( Midi Maschinecode für Befehle?
    Wie ist das mit dem Midi Timecode!
    Was ist wichtig, was ist richtig?

    Gruß

    1. Author

      Hey Klaus, ich kenne beide Geräte nicht näher. Normalerweise musst du den RM1X als Slave einstellen, die MPC als MAster. Dann sollte es so laufen wie du es brauchst. lg

  6. Hi Georg,
    der Keyboarder meiner Band hat “ Live“ drei Keyboards am Start. Für jeden Song benötigt er
    ein anderes Setup der einzelnen Keyboards. Früher war das kein Problem , jedes schön notiert,
    zwischen den Songs umgetippt und weiter gings. Heute dagegen ist es mit dem „Sehen“nicht mehr so
    toll und er tippt sich irre in den Songpausen .Am Ende ist es allmählich ein Glücksfall ob das Setup steht oder noch nicht.
    Mit Midi hat er nicht viel bis gar nichts am Hut. Seine Boards sind natürlich midifähig (Korg Triton,Chrom und Roland Phantom).
    Ich könnte mir vorstellen das es über Midi ein leichtes wäre sein Setup mit einem Knopfdruck (Master und so) bereitzustellen. Also nur Soundbank der einzelnen umstellen und vielleicht noch die Lautstärkenverhältnisse einzurichten.
    Könntest Du bitte mir bzw. uns einen Tip geben wie das Möglich wäre und ob überhaupt.
    Vielen Dank mal Georg
    beste Grüße
    Tom

  7. über ein midi-tamp gerät geht das. jeder song bekommt eine nummer-die nummer im midi-tamp abspeichern und titel vom song dazuschreiben. beim live einsatz einfach am midi tamp die gewünschte nummer eingeben-fertig. alle angeschlossene geräte schalten sofort die sounds usw. um.

    lg
    lodapower

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